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Die runzelige Haut eines Oktopoden flimmert in verschiedenen Grau- und Brauntönen: Gekonnt mimt er die toten Korallenblöcke in seiner Umgebung. Fünf Jahre sind
vergangen, seitdem ich das letzte Mal in den Malediven "untergetaucht" bin, und der Schock sitzt tief. Ich kann mich noch sehr deutlich an die delikaten
Korallengärten erinnern, die einst jede Riffoberkante in diesem Unterwasserparadies wie eine kunstvolle Filigranarbeit bedeckten. Nun starre ich entsetzt auf nacktes
Geröll, das zum Teil von braunen Algen überwuchert wird. Es ist so, als ob sich ein mir sehr vertrautes altes Gebäude in eine Schutthalde verwandelt hätte. Erst als
ich etwas tiefer abtauche, entdecke ich hier und da Anzeichen der einstigen Korallenpracht. Fächer-, Peitschen- und Weichkorallen haben offensichtlich "El
Niño" besser überstanden als die Steinkorallen.
Mit grosser Erleichterung bemerke ich aber sofort, dass die Einwohner dieses submarinen
Katastrophengebietes (so muss man wohl Teile der Malediven nach der Erwärmung der Wassertemperaturen vor zwei Jahren bezeichnen) immer noch so zahl- und artenreich
vertreten sind wie eh und jeh. Die Algen bieten wohl vielen von ihnen eine ergiebige Nahrungsquelle. Unzählige Tropenfische blenden mich regelrecht mit ihren schrillen
Schuppengewändern. Selbst korallenabhängige Arten, wie Falter- und Papageien-Fische, begegnen mir in grosser Vielzahl - auch als Jungtiere. Imperator-, Pfauen-,
Blaumasken- und Dreipunkt-Kaiserfische präsentieren sich fast gleichzeitig in ihrer gewohnten Pracht. Drückerfische sind hier besonders zahlreich vertreten:
Abertausende von Rotzahn-Drückerfischen flattern umher, und überall lungern Picasso-, Leoparden-, Gelbschwanz- und Riesen-Drückerfische herum. Blauklingen- und
Vlamings-Nasendoktorfische schwimmen durch die Luftblasen, die sich über unseren Köpfen gebildet haben. Schwarm-Wimpelfische stehen, wie eingefroren, dort oben, wo das
Wasser in den Himmel übergeht. Vor dem Riff patrouillieren einige flinke Blauflossen-Makrelen, ein glupschäugiger Strassenkehrer, zwei mittelgrosse Napoleonfische und
ein kleiner Weissspitzenhai. Stattliche Riesenmuränen und ein paar wohlernährte Pfauen- und Juwelen-Zackenbarsche betrachten uns unerschrocken aus ihren sicheren
Verstecken entlang der zerklüfteten Riffwand, wo ich auch mehrere Langusten und Fangschreckenkrebse entdecke. Eine Echte Karettschildkröte lässt sich beim Abgrasen der
Algen nicht aus der Ruhe bringen, auch dann nicht, als ich ihren Schnabel nahezu mit meiner Taucherbrille berühre. Beim Aufstieg sehe ich noch im blauen Hintergrund
die Umrisse eines kapitalen Mantarochen, der majestätisch an uns vorbeigleitet. Auf dem Weg zurück durch die flache Lagune, in der ich die in den Malediven üblichen
Schwärme von Weisskehl-Doktorfischen vergeblich suche, muss ich einem halbstarken Steinfisch auweichen, der mir mit grimmiger Miene den Weg versperrt. Ich fühle mich
wieder ganz wie zu Hause.
Veränderungen 12.2000: Ellaidhoo als d a s langjährige, fast legendäre Non - Limit Tauchparadies auf den Malediven hat nach
dem Wechsel des Managements in italienische Hand den Status einer bevorzugten Taucherinsel verloren. Das Gros der neuen Gäste besucht die als Club-Insel angebotene
Destination nicht mehr als Ausgangspunkt für erlebnisreiche Tauchgänge. Axel Horn, der seit vielen Jahren die Basis dort leitete, wechselte nach Bandos und baut unter
den hervorragenden Bedingungen dort besonders die Tec-Dive Angebote weiter aus. Wolly Wörner, der auf Bandos viele Jahre tätig war, erfüllt sich einen Traum und baut
eine neue Basis in Thailand auf. Die im Beitrag vom Mai 2000 geschilderten Tauchgebiete bleiben natürlich weiterhin aktuell, verändert haben sich nun die Basisleitung
und das “Inselleben”.
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